NEU IM HANDEL


„Die Nimmersatten“

Rezensionen

Kölner Stadt-Anzeiger 19. November 2012

Artikel im Original lesen (PDF)

Artikel im Original lesen (PDF)

Nürnberger Nachrichten 12. Dezember 2012

Artikel im Original lesen (PDF)

Artikel im Original lesen (PDF)

Pressestimmen & Kritiken

Thomas Lückerath, DWDL.de

Mehr als eine Abrechnung: Dienstreise durch die Welt der Öffentlich-Rechtlichen

Schon lange wurden ARD und ZDF nicht so detailliert durchleuchtet wie in „Die Nimmersatten“, dem heute erscheinenden Buch von Handelsblatt-Redakteur Hans-Peter Siebenhaar. Ein unterhaltsames und aufreibendes Werk.

„Bei dieser Reise geht es nicht um Vollständigkeit“, schreibt Hans-Peter Siebenhaar gleich zu Beginn seiner Abrechnung mit dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk in Deutschland. Dabei ist „Die Nimmersatten - Die Wahrheit über das System ARD und ZDF“ durchaus umfassend. Was der leidenschaftliche Experte beim Thema Medien-Wirtschaft hier auf 240 Seiten zusammengetragen hat, ist mal informativ, mal amüsant. Es kombiniert Recherche mit Anekdoten eines Insiders. So sind es eigentlich zwei Bücher in einem. Zunächst einmal eine schonungslose persönliche Abrechnung mit den Öffentlich-Rechtlichen, aber darüber hinaus auch eine Bestandsaufnahme der gesamten deutschen Fernsehbranche.

Nein, unvollständig ist das Buch also ganz gewiss nicht. Siebenhaar trägt ausführlich alle Fakten zusammen und benennt die aktuellen sowie künftigen Herausforderungen des öffentlich-rechtlichen Systems klar und deutlich. Undurchsichtige Geschäfte, unzählige Tochterfirmen, Geldverschwendung, Expansionsdrang und gefährliche Nähe zur Politik – lange schon wurden ARD und ZDF nicht so detailliert durchleuchtet. Das wird in den öffentlich-rechtlichen Anstalten nicht jedem gefallen, wie Siebenhaar selbst sehr wohl bewusst ist.

Die Sendung mit den Mäusen: Wofür ARD und ZDF Gebühren-Milliarden verprassen

Deswegen setzt er gleich auch noch einen oben drauf: Die zusammengetragenen Fakten und Eindrücke bilden die Grundlage für Schlussfolgerungen, die man nicht unbedingt teilen muss. Auch das jedoch ist Siebenhaar klar, denn er will vor allem eins: Eine Diskussion. Mit diesem nicht gerade leisen Buch kann das gelingen. Die Aufmerksamkeit für einen öffentlich-rechtlichen Rundfunk, der in der Tat reformiert werden muss, kommt rechtzeitig zur Einführung der neuen Haushaltsgebühr am 1. Januar, die Siebenhaar ganz offensichtlich nicht gefällt, wie ein radikaler Reformvorschlag am Ende des Buches offenbart.
Das öffentlich-rechtliche System hat zu viele Fehler: Vor allem keine Legitimation. Hauptversammlungen, auf denen Gebührenzahler zu Wort kommen können, wären ein Anfang – meint unser Gastautor.

Doch „Die Nimmersatten“ ist weit mehr als eine Analyse des öffentlich-rechtlichen Systems, was es für jeden kritischen Medienkonsumenten zur lesenswerten Lektüre macht. Siebenhaar gelingt eine höchst spannende Schilderung der Fernsehwelt im Jahr 2012 - über die Öffentlich-Rechtlichen hinaus. Vom Selbstverständnis der Macher über die durchaus luxuriösen Branchentreffs in Los Angeles oder Cannes bis hin zu Verhandlungsmethoden hinter verschlossenen Türen. Hier merkt man die Leidenschaft eines geschätzten Kollegen.

„Die Nimmersatten“ ist eine Bestandsaufnahme der TV-Wirtschaft 2012, die den Spagat zwischen Ansprache des Fachpublikums und interessierter Mediennutzer schafft. Es ist mehr als nur eine persönliche Abrechnung mit ARD und ZDF und sollte trotz diesem Buchtitel nicht darauf reduziert werden. Es ist das wichtigste Buch über eine im dramatischen Wandel befindliche TV-Branche, das in den letzten Jahren erschienen ist. Hans-Peter Siebenhaar nimmt die Leser mit auf eine lesenswerte Dienstreise durch die Fernsehwelt - und das ist großartig!

Thomas Lückerath ist Chefredakteur des Mediendienstes DWDL.de

Thomas Knüwer, Indiskretion Ehrensache, 30. November 2012

Ich musste schallend lachen, als ich den ersten Satz im neuen Buch meines Ex-Kollegen Hans-Peter Siebenhaar las:

“”Nein, schreib das Buch nicht”, empfahl mir ein langjähriger Kollege, als ich gerade ansetzte, die süßliche Himbeer-Tartelette im Düsseldorfer Bistro “Münstermann” zum Abschluss unseres Mitagessens zu vertilgen.”"

Ich war nicht dieser Kollege, aber über die Jahre hatte ich Hans-Peter bei gemeinsamen Essen eine ganze Reihe, dieser Törtchen essen sehen und meist hatten wir vorher mindestens eine halbe Stunde über Medien – die Branche, die er für das “Handelsblatt” betreut – diskutiert. Bei weitem nicht immer waren wir einer Meinung.

So wird es ihn auch nicht verwundern, dass ich auch mit seinen Thesen in “Die Nimmersatten – Die Wahrheit über das System ARD und ZDF” nicht voll übereinstimme. Der Titel sagt, worum es geht: das öffentlich-rechtliche System in Deutschland.

Wer sich mit Medien beschäftigt, wird die meisten der berichteten Vorfälle im Buch kennen. Doch aneinandergereiht wirken die Bestechungen und Betrügereien, die politische Einflussnahme und die Verschwendung geradezu monströs.

Wussten Sie, zum Beispiel, dass zum Reiche ZDF eine Beteiligung an einem polnischen Romantikkanal gehört?

Dass jenes ZDF nicht nur 77 (!) Mitglieder im Fernsehrat zählt, sondern dass 55 davon der “staatlichen Sphäre” zuzuordnen sind?

Dass zwischen 2013 und 2016 2,8 Milliarden Euro der TV-Gebühren für die Pensionsleistungen der Sender draufgehen?

Dass WDR-Chefin Monika Piel mit 319.500 Euro nicht nur mehr verdient als die Bundeskanzlerin – sondern der Barwert ihrer Pensionszusagen (Stand 2011) 3,08 Millionen Euro beträgt, fast eine Million mehr als 2009?

Und jene versuchte Beeinflussung der Berichterstattung von Seiten der CSU scheint doch eher Alltag zu sein, wenn der aus politischen Gründen geschasste, ehemalige ZDF-Chefredakteur Nikolaus Brender heute sagt: “Ich selber hatte ein chronisch angestrengtes Verhältnis zu allen Regierungssprechern, von Uwe-Karsten Heye bis Ulrich Wilhelm, die immer mal versuchten, Berichterstattung zu beeinflussen. Der eine geschickt, der andere weniger geschickt.”

Dieses Buch hat einiges von einem Medienblog: Hans-Peter packt gelassen die Keule raus und haut auf die wunden Punkten der Öffentlich-Rechtlichen. Deshalb kommt “Die Nimmersatten” auch zur rechten Zeit. Denn mit der Umstellung auf eine Haushaltsgebühr haben sich jene Nimmersatten gerade in eine neue finanzielle Dimension geschossen.

Mehrfach wurde mir hier vorgeworfen, ich sei ein Gegner desselben. Diesen Vorwurf möchte ich von mir weisen. Ich bin ein absoluter Freund des öffentlich-rechtlichen Systems, bin aber der Meinung, es sollte ARD und ZDF untersagt werden, Werbegelder einzunehmen. Dies brächte, behaupte ich, eine unmittelbare Fokussierung auf Qualität bei gleichzeitiger Steigerung derselben.

Siebenhaar streift diese Option nur. Viele seiner Lösungsvorschläge sind logisch, zum Beispiel die Entpolitisierung der Sender oder mehr Einflussmöglichkeiten für Zuschauer in den Gremien. Seinen Hauptansatz kann ich jedoch nicht teilen: Er möchte ARD und ZDF zu freiwilligen Pay-TV-Sendern machen. Auch Gerhard Zeiler (Präsident Turner Broadcasting, Ex-ORF-Intendant und Ex-RTL-Chef) mochte sich nicht mit dieser Idee anfreunden, als er gestern mit Siebenhaar an einem Tisch im Berliner Münzsalon zur Buchpräsentation saß: Dies sei für ihn dann kein öffentlich-rechtlicher Rundfunk mehr, kritisierte Zeiler. Einen großen Unterschied zwischen der aktuellen GEZ-Gebühr und der neuen Haushaltsabgabe mochte er auch nicht ausmachen. Außerdem betonte er: “Ich bin der Meinung dass Öffentlich-Rechtliche für alle etwas bieten müssen – auch in den Bereichen Unterhaltung und Sport.” Zeiler lieferte auch den Spruch des Abends: “Der ORF war schon immer um einiges größer, als das Land.”

Trotz dieser Meinungsdifferenz in Sachen Lösung: Ich habe ich das Buch mit viel Spaß und einer ordentlichen Menge Wissensgewinn gelesen und möchte es jedem empfehlen, der sich auch nur am Rande mit Fernsehen oder der Medienbranche beschäftigen möchte. Auch Mitarbeiter der Sendeanstalten sollten sich das Werk gönnen: Ich kann mir nur schwer vorstellen, dass es sie nicht grübeln lässt, ob nicht irgendetwas geändert werden müsste.

Das scheinen eine Menge Menschen zu sein, bei denen man es nicht unmittelbar erwarten würde. Gestern Abend stellte Siebenhaar sein Buch im Berliner Münzsalon vor – und es war gerappelt voll. Vor allem eine Reihe älterer Besucher ohne erkennbare Medienbranchen-Verkettungen kritisierten harsch das ARD-/ZDF-System. Vielleicht gärt da ja was, in der Bevölkerung. Die erste Auflage von “Die Nimmersatten” ist jedenfalls schon verkauft.

Thomas Knüwer ist Blogger "Indiskretion Ehrensache" und Social-Media-Unternehmensberater.